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Boxenstopp: Karosserien&Spoiler für Tourenwagen

Yokomo YR-4, Hpi, Tamiya TA02, TA03, Kyosho TF-2, Schumacher SST, und andere>

Immer wieder wird die Frage gestellt, inwieweit Karosserien auf das Fahrverhalten eines 1:10 Tourenwagen Einfluß nehmen. Macht die Aerodynamik bei Modellautos überhaupt einen Unterschied? Wirkt auch ein kleiner Modellspoiler? Diese Fragen wird der Mechaniker in dieser Ausgabe des Boxenstopps etwas genauer betrachten. Hierbei werden die gängigsten 1:10 Tourenwagenkarosserien einzeln auf ihre besonderen Eigenschaften hin untersucht.

Grundsätzliches: Bevor man sich mit der besonderen Charakteristik einer Karosserie beschäftigt ist es wichtig, diese erst einmal optimal an das Auto anzupassen. Dabei ist Folgendes zu beachten:

- Die Karosserie ist so auszuschneiden, daß kein Rad, auch nicht im volleingefederten Zustand, die Karosserie berührt, da das Auto sonst plötzlich unkontrolliert ausbricht. Ferner darf die Karosserie auch in voller Schräglage nicht den Boden berühren.

- Die Befestigung der Karosserien kann beim älteren Yokomo YR-4K exakt passend, d.h. "saugend" auf den Karosseriebolzen erfolgen. Dies unterstützt die Steifheit und damit die Fahrwerksphilosphie des YR-4K Chassis.

Ganz anders muß man beim neuen Yokomo YR-4 K2 vorgehen. Auf Grund des neuen Roll-Flex-Designs des Chassis empfiehlt es sich die hinteren Befestigungslöcher, als ca. 1 cm lange Längslöcher in Fahrtrichtung anzulegen, wobei der Karosseriebolzen sich in Ruhe genau in der Mitte des Längsloches befinden sollte. Damit kann das Chassis arbeiten, ohne von der Karosserie behindert zu werden.

- Beim Yokomo YR_4K2 ist vor allem darauf zu achten, daß die Front der Karosserie möglichst genau mit dem Schaumstofframmer abschließt, was die Lebensdauer der Karosserie sehr stark erhöht (daher empfiehlt es sich den Schaumstoff- rammer ZR-001F auch im älteren YR-4K einzusetzen!).

Man kann dies erreichen, indem man die Karosserie vor dem Ausschneiden und Löcherbohren um einige Millimeter vor oder zurück bewegt. Sollte die Karosserie trotz des Schaumstofframmers wippen, kann man durch Einklebung von z. B. handelsüblichen Dichtungsklebeband (4mm Tesa Moll) in die Frontpartie der Karosserie dem entgegenwirken. Alternativ kann man im älteren Yokomo YR-4K ohne Schaumstofframmer auch Lexanstreifen längs in die Motorhaube kleben, um das Wippen zu reduzieren.

- Einer der wichtigsten Punkte für eine gute Aerodynamik der Karosserie ist die Wahl des richtigen Spoilers. Oft sind den Karosserien speziell für die KEIL-DTM angepaßte Spoiler beigelegt. Diese muß man meistens noch genau dem Reglement entsprechend zuschneiden.

Daran denken: der höchste Punkt des Spoilers darf maximal 2,5 cm Abstand zur Hinterkante des Kofferraumdeckels der Karosserie haben. D. h., daß bei schrägen Kofferraumdeckel der Abstand des Spoilers zur Karosserie an seiner Vorderkante wesentlich geringer ausfallen kann.

- Obwohl die mitgelieferten Spoiler durchaus verwendbar sind, empfiehlt es sich vor allem im Hinblick auf Aerodynamik und Haltbarkeit, die Asso 1:12 (A-3188) und 1:10 (A-6183) Spoiler zu verwenden. Diese haben durch ihre gute Seitenführung und Anstiegswinkel einen höheren Anpressdruck und stabilisieren das Auto auch besser. Ferner ist ihre Haltbarkeit sehr gut.

Der 1:10 Asso-Spoiler ist stabiler als der 1:12 Spoiler, wobei der 1:12 Spoiler durch seine höhere Elastizität eher hilft, daß das Auto nach einem Überschlag nicht auf dem Dach liegen bleibt. Bei dem 1:10 Spoiler ist noch anzumerken, daß er nicht wie gedacht ausgeschnitten wird, sondern um 90° Grad nach hinten gekippt, um dem KEIL-Reglement entsprechend einen möglichst optimalen Anstiegswinkel bei gleichzeitig guter Montagemöglichkeit zu erreichen. Einfach den Roh-Spoiler in allen möglichen Positionen anhalten, wobei es sich anbietet die Spoilermaße mit einer Schieblehre anzuzeichnen (max. 2,5 cm Länge und max. 1,5 cm Höhe).

Um die Haltbarkeit des Spoilers zu erhöhen, empfiehlt es sich Unterlegscheiben zwischen Schraube und Spoiler zu verwenden. Außerdem ist es vorteilhaft, zwischen Spoiler und Karosseriebolzen dünnes Doppelklebeband zu kleben, bevor man den Spoiler fest montiert. Dies fixiert einerseits den Spoiler besser und erhöht andererseits die Elastizität, so daß keine so starken Sollabbruchkanten entstehen.

Der Lexanverschnitt der Asso 1:12 und 1:10 Spoiler eignet sich übrigens hervorragend für die Verstärkungen der Karosserie.

Die Karosserien im einzelnen:

KEIL - Audi A4: Diese sehr schöne, vor allem durch ihre runde Form gefällige Karosserie hat ein ruhiges, der KEIL - Calibra ähnliches Fahrverhalten. Bedingt durch die Form rollt die Karosserie bei Überschlägen gut ab, so daß das Auto mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder auf die Räder fällt. Etwas problematisch ist die Breite der Karosserie, die nicht für eine sehr

breite Spur geeignet ist. Mit schmalen Felgen (z.B. ZR-040) funktioniert sie aber sehr gut.

KEIL - Calibra: Diese Karosserie war lange Zeit, vor allem beim älteren YR-4K, die erste Wahl. Sie zeichnet sich durch ein sehr ruhiges Fahrverhalten aus. Gerade wenn das Auto nervös liegt oder der Fahrer zur Hektik neigt, ist diese Karosserie einfach genial. Problematisch wird es nur, wenn das Auto zu wenig Griff auf der Vorderachse hat. Dann neigt die Karosserie zum Schieben.

Das Abrollen der Karosserie ist sehr gut. Meist kommt sie bei Überschlägen wieder auf die Räder. Deshalb empfiehlt sich bei dieser Karosserie der Asso 1:12 Spoiler, der durch seine hohe Elastizität das Abrollen unterstützt. Bei der Montage ist darauf zu achten, daß man die mitgelieferten Spoilerbolzen etwas konisch anschleift, damit sie besser in die Vertiefungen der Karosserie passen und sie dem Reglement entsprechend kürzt. Bei dem Einsatz auf dem K2 sollte man ferner noch eine Lexanversteifung mit Doppelklebeband in Fahrtrichtung in die linke Seite der Karosserie einkleben, da sich sonst die Karosserie bei Karambolagen verklemmen kann (s. Bilder). Dies verbessert auch noch die Gewichtsverteilung des K2.

KEIL - BMW: Diese bullig und dynamisch wirkende Karosserie zeichnet sich durch eine sehr gute Haltbarkeit aus. Gerade auf sehr rutschigem Untergrund hat sie ein ausgewogenes Fahrverhalten. Dies gilt vor allem für den älteren Yokomo YR-4K. Bei den ersten K2's waren die Karosseriehalter etwas zu kurz. Mit den neuen ZF-021 Aufsätzen (die dem Baukasten mittlerweile beiliegen), kann die Karosserie auch beim K2 montiert werden. Das Abrollverhalten ist nicht ganz so gut, womit sich der Asso 1:10 Spoiler, passend zur hohen Lebensdauer der Karosserie, empfiehlt. Der mitgelieferte Spoiler eignet sich nicht für die KEIL-DTM, da er zu stark beschnitten werden muß. Allerdings läßt sich der Asso 1:10 Spoiler gut auf den vorhandenen Spoilerhaltern montieren.

Protoform - Mercedes: Diese originalgetreue Karosserie des in der DTM/ITC eingesetzen Fahrzeugs von Daimler-Benz erzeugt von allen Karosserien, bedingt durch ihre Frontpartie, den höchsten Anpressdruck auf der Vorderachse. Dies ist vor allem bei dem neuen K2 wichtig. Diese Karosserie ist ein Muß für die Feinabstimmung. Leider sind die Spoilerhalter etwas zu hoch geraten, so daß man zuviel vom Spoiler abschneidet, um das Reglement einzuhalten. Hier empfiehlt sich ein rabiates Vorgehen, in dem man die Originalbolzen einfach abschneidet (s. Bild unten). Am besten schließt man die entstehenden Löcher, wenn man von unten ein Lexanplättchen quer mit Doppelklebeband einklebt. Von oben kann man durchsichtiges Klebeband draufkleben. Wer es besonders gut machen will, kann auch Mylarfolie aufkleben, welche extrem reißfest ist (gibt es als Zubehör im Lenkdrachen-Handel). Mit Lackstiften wird dann die Folie entsprechend der Karosserie lackiert und die Löcher sind so fast nicht mehr zu sehen. Als

Spoiler empfiehlt sich der Asso 1:10 Spoiler, da das Abrollverhalten der Karosserie sowieso nicht so gut ist. Zur Befestigung nimmt man einfach zwei 1cm lange Kunststoffröhrchen (ähnlich denen, die der KEIL-Calibra beiliegen) und befestigt den Spoiler mit Schrauben auf dem Kofferraumdeckel der Karosserie. Das eingeklebte Lexanplättchen gibt hier dem Kofferraumdeckel die nötige Festigkeit. Der Spoiler sollte möglichst weit hinten positioniert werden. Genau wie bei der KEIL - Calibra sollte bei dem Einsatz auf dem K2 eine Lexanversteifung mit Doppelklebeband in Fahrtrichtung in die linke Seite der Karosserie eingeklebt werden, da sich sonst die Karosserie ebenfalls bei Karambolagen verklemmen kann. Die Karosserie ist sowohl für Teppich als auch für Asphalt hervorragend geeignet.

Protoform - BMW: Diese sehr gut aussehende Karosserie läßt auf Grund ihrer Dimensionierung auch eine breite Spur problemlos zu. Vor allem auf Asphalt hat sie ein hervorragendes Fahrverhalten. Das Auto liegt ruhig und kommt trotzdem gut um die Ecken herum. Auch auf Teppich ist die Karosserie gut zu fahren. Durch die Breite der Karosserie ist das Abrollverhalten nicht ganz so gut, d.h. Überschläge möglichst vermeiden. Daher empfiehlt sich der stabilere Asso 1:10 Spoiler. Der Spoiler läßt sich problemlos auf den vorhanden Spoilerhaltern der Karosserie montieren.

Auch bei dieser Karosserie ist es sinnvoll, Lexanverstärkungen in die Seiten zu kleben, um "Karosserieverklemmern" vorzubeugen. Bei dieser Karosserie kann man die vordere Stoßstange auf Grund ihrer Form mit Gewebeband einfach vor Beschädigungen schützen.

Protoform - Calibra: Diese Karosserie ist für jeden Motorsportbegeisterten eine wahre Augenweide. Nicht umsonst wird sie fast schon als GT-Karosserie "kritisiert". Allerdings sollte man sich dann mal die flachen Originalflundern aus der DTM/ITC anschauen. Da wird man feststellen, daß die Karosserie sehr originalgetreu ist. Die Stärken dieser Karosserie liegen vor allem auf Teppich. Sie ist höchst agil und trotzdem fährt sich das Auto sehr präzise und ruhig. Der Anpressdruck auf der Vorderachse liegt in der Mitte zwischen dem der KEIL - Calibra und der Protoform - Mercedes. Damit eignet sich die Protoform - Calibra auch als Standardkarosserie. Auch hier ist eine breite Spur kein Problem.

Das Abrollverhalten ist ähnlich kritisch wie bei der Protoform - BMW, bedingt durch die Breite der Karosserie. Deshalb lautet die Spoilerempfehlung auch hier: Associated 1:10. Genauso läßt sich der Spoiler wieder problemlos auf den vorhanden Spoilerhaltern der Karosserie montieren. Ein kleines Handikap dieser Karosserie ist, daß die Frontecken, sprich Kotflügel, bei starken Crash's vor allem mit Begrenzungsreifen, zum Einknicken neigen. Die sozusagen nach außen gestülpte Frontspoilerlippe blockiert dann das Vorderrad, so daß der Lauf in der Regel verloren ist. Abhilfe schafft hier folgender Trick: (s. Bild) Man schneidet die Lippe an der linken und rechten vorderen Ecke der Karosserie rund ab und zwar in umgekehrter Rundung wie die Frontpartie der Karosserie, so daß die Rundung der Schnittkante die Rundung des Frontspoilers im Abstand von 2-3 mm tangential berührt (s. Bild). Man sollte so dicht an die Frontpartie heranschneiden, bis die Karosserie von selbst zurückspringt, wenn man

sie mit der Hand umstülpt. Sieht leider nicht besonders schön aus, aber es funktioniert. Der Anpressdruck verändert sich nicht spürbar. Die Protoform - Calibra empfiehlt sich vor allem für Teppich und ist dort fast ein Muß.

Protoform - Volvo: Diese brandneue Karosserie steht voll in der guten Tradition der Protoform-Karosserien. Sie sieht sehr schnittig aus, ganz im Gegensatz zu dem, was der Fahrzeugname vermuten läßt. Zum Fahrverhalten läßt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt mangels Fahrpraxis nicht viel sagen, aber die sehr windschlüpfrige Form, gepaart mit den großen Andruckflächen, läßt auf ein weiteres Protoform-Highlight schließen. Positiv fallen vor allem die runde Form und das schmale Dach auf, so daß man von einem wesentlich verbesserten Abrollverhalten ausgehen kann. Deshalb ist hier der Asso 1:12 Spoiler zu empfehlen. Dieser läßt sich problemlos auf den vorhandenen, richtig dimensionierten Spoilerhaltern der Karosserie befestigen.

Abschließend: läßt sich noch sagen, daß man die Lebensdauer aller Karosserien erhöhen kann, wenn man die Frontpartie mit geeignetem Gewebeband verstärkt, vor allem wenn sich schon kleine Risse gebildet haben.

Die Beurteilung des Fahrverhaltens kann natürlich individuell unterschiedlich ausfallen. Hier sollen nur allgemeine Tendenzen dargestellt werden. Eine gute Fahrwerksabstimmung ist natürlich Voraussetzung, bevor man mit Hilfe der Karosserien feinabstimmt. Sinn macht es dann durchaus, wenn man dem eigenen Fahrstil entsprechend drei Karosserien mit unterschiedlichem Anpressdruck einsetzt, wobei man immer auf das Auto mit der Karosserie mit dem mittleren Anpressdruck, nach Möglichkeit die Lieblingskarosserie, abstimmt.

Sollte sich die Bahn im Laufe des Renntages verändern, d. h. mehr oder weniger Griff bekommen, hat man die Möglichkeit das Auto, durch wechseln der Karosserien, den neuen Bedingungen anzupassen. Auch wird man seine Rennstrategie leichter umsetzten können. Brauche ich einen Sicherheitslauf (ruhiges Fahrverhalten = etwas langsamere Rundenzeiten, aber weniger Abflüge und dadurch vielleicht insgesamt doch schneller ! ), oder bin ich gezwungen alles auf eine Karte zu setzen, um eine Superlauf hinzulegen (agileres Fahrverhalten, also mehr Griff auf der Vorderachse = schnellere Rundenzeiten, aber höheres Risiko)?

Nach Beantwortung dieser Frage kann ich die Feinabstimmung durch die Wahl einer Karosserie mit entsprechender Charakteristik vornehmen.

Dabei empfiehlt es sich, seinen Karosserien ein einheitliches Design zu geben, damit die einmal gefunden Absprachen mit anderen Fahrern im Rennen (z. B. Überundungen etc.), auch weiter funktionieren, und nicht plötzlich alle denken, daß ein neuer Gegner aufgetaucht ist..NT>

Wie auch immer, die letzte Entscheidung muß jeder entsprechend seines Fahrstils und Fahrvermögens selbst treffen. Da hilft, wie immer, nur ausprobieren.

Viel Spaß dabei wünscht Euch Euer RW.

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